Von Tenever lernen. Ein Kommentar von Monika Felsing

Unter dem Pflaster der Strand. Über das Pflaster der Streit. An der Auseinandersetzung über die Zwangsasphaltierung von Viertelstraßen sind längst nicht nur Alt-68er beteiligt, aber sie wissen besser als andere: Wer sich nicht wehrt, macht was verkehrt. Wer aufgibt, hat schon verloren. Gemeinsam ist man weniger allein. Das nennt man lebendige Demokratie.

Monika Felsing – über Basisdemo-kratie

Es kann jetzt jede gepflasterte Straße treffen. Das ist die Botschaft, die die Asphaltgegner dazu bringt, sich zusammenzuschließen. Das Verschieben der Arbeiten in der Hollerstraße auf März 2018 – einen Zeitpunkt weit nach der Bundestagswahl – mag ein Zeichen sein, dass der grüne Bau- und Verkehrssenator die Basis nicht gegen sich aufbringen will. Es ist keine Garantie dafür, dass er sich umstimmen lässt. Aber beide Seiten
haben Zeit gewonnen.

Die Initiative Stadtbild argumentiert mit Atmosphäre. Joachim Lohse spricht von Kosten und von Moral: Was die einen nicht haben, sollen die anderen nicht aus eigener Tasche bezahlen dürfen. Dabei käme niemand auf die Idee, den Marktplatz zu teeren oder Villenbesitzer zu zwingen, in Reihenhäuser zu ziehen. Was ihren Stadtteil liebenswert macht, wissen die Bewohnerinnen und Bewohner der Quartiere selbst am besten. Ob und wie sich das verwirklichen lässt, darüber muss man reden, vielleicht auch streiten. In dem Punkt kann das Viertel viel von Tenever lernen. Dessen Stadtteilgruppensitzungen haben sich bewährt.

Einen Fonds einzurichten, wie es Joachim Lohse vorgeschlagen hat für Straßen, deren Anwohner ihr Pflaster nicht selbst bezahlen können, ist eine konstruktive Idee. Aber auch andere Formen des Crowdfundings und Spendensammelns müssen erlaubt sein, wenn Bürger ihr Lebensumfeld mitgestalten wollen. Public Private Partnership ist von der Bremer Politik schon so oft als Erfolgsmodell gefeiert worden, dass auch das Public Private Pflastership eine Chance verdient hat.

 


ein Kommentar von Monika Felsing, erschienen am Donnerstag, 29.06.2017 auf Seite 1 der Stadtteilbeilage des Weser-Kurier

Von Tenever lernen

Kommentar in Bezug auf den Zeitungsartikel:

GEMEINSAM FÜR DEN ERHALT DES PFLASTERS – VIERTELBEWOHNER SCHLIESSEN SICH IM KAMPF GEGEN ASPHALT ZUSAMMen

 

 


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